Nahtod-Erfahrung - Das Leben im Jenseits

Mein Schlüssel zurück ins Leben

Manchmal brauchen wir einen Weckruf, sozusagen einen neuen Schlüssel, der uns das Tor zu einer höheren Dimension unseres Lebens eröffnet. Einen solchen Schlüssel fand ich durch eine spontane Nahtod-Erfahrung im Februar 1979.

25 bis 40.000 Menschen sterben jährlich in Deutschland infolge von Medikamentennebenwirkungen. Auch ich wäre gestorben, wenn ich nicht durch meine Nahtoderfahrung ein neues Fundament für mein Leben gefunden hätte. Ich war damals 32 Jahre alt und litt infolge der starken Medikamente, die ich wegen einer Krankheit einnehmen musste, an totaler Schlaflosigkeit. Über ein halbes Jahr war ich nicht mehr im Bett gelegen, weil ich Angst vor dem Einschlafen hatte. Jeder Teil meines Körpers tat weh, alles schmerzte. Ich hatte viel Gewicht verloren und fühlte mich von Kopf bis Fuß sehr geschwächt. Der Arzt empfahl mir wegen meiner extremen Schlaflosigkeit in eine Psychosomatische Klinik zu gehen. Dort erhoffte ich mir sehnlichst Heilung. Diese Hoffnung wurde jedoch gnadenlos zerstört, als mir der dortige Chefarzt nach zwei Wochen erklärte, dass ich höchstens noch ein halbes Jahr leben würde.

Als mir der Arzt so direkt meinen nahenden Tod vor Augen hielt, rannte ich fluchtartig aus dem Ärztezimmer, den langen Flur entlang und dann verlies ich die Klinik. Ich ging in den nahe gelegenen Wald, setzte mich auf einen alten Baumstamm und begann eine Zwiesprache mit dem Kosmos. "Bitte regelt schon mal alles für meine Heimreise", bat ich leise, "die Ärzte sind mit ihrem Latein am Ende und ich auch. Doch wenn euch noch etwas Besseres einfallen sollte, dann lasst es mich bitte wissen. Das Leben, wie ich es bisher gelebt habe, ist so sinnlos gewesen".  Damit war mein Gespräch mit oben beendet, ich hatte das Gefühl, dass nun alle Formalitäten erledigt seien.

Auch wenn ich über meine Zukunftsprognose sehr erschrocken war, nahm ich die Tatsache, bald sterben zu müssen, auch sehr gelassen hin. Angst vor dem Tod hatte ich keine. In mir war sogar ein Funke von Abenteuerlust. "Wie würde es sein, wenn ich den Körper verlasse?", überlegte ich. Ich glaubte fest daran, dass es einen Himmel gibt, wo alle Menschen nach dem Tode hinkommen. Ich war mir ganz sicher, dass eine höhere göttliche Kraft dort oben wirkte. Meinen Schutzengel hatte ich bereits kennengelernt. Er hatte mich sanft zurück gezogen, als ich als Kind unachtsam über die Straße rennen wollte.

Angesichts meines baldigen Todes wurde mir sehr klar, dass tief in mir eine heimliche Sehnsucht nach dem Tod war. Die materielle Ebene des Lebens war zwar ganz nett, aber wirkliche Erfüllung konnte ich nie darin finden. Ich erinnerte mich, wie ich als kleines Kind oftmals tanzend durchs ganze Haus gerannt bin und dabei singend rief: "wenn ich groß bin, werde ich allen zeigen, wie man glücklich ist".  Doch als ich älter wurde, einen Beruf erlernt hatte, sogar nach meiner Traumhochzeit, fühlte ich eine seltsame Leere in mir. Wo war eigentlich das Glück, das ich erleben wollte, ich konnte es nicht wirklich in mir fühlen. "Vielleicht bin ich wegen dieser inneren Leere so krank geworden", kam mir in den Sinn.

Dass mich der Tod schon wenige Tage später heimholen wollte, hatte ich mir nicht vorgestellt. Ich machte gerade bei einer freiwilligen Tanztherapie mit. Die Übungen waren für meinen geschwächten Körper sehr anstrengend. In dem Moment, als ich mich in eine unmöglich erscheinende Bewegung hineinfallen lies, löste sich in mir eine innere Barriere und ich glitt aus meinem Körper heraus. Einfach so, ohne mich zu verabschieden. Wie ein flatternder Schmetterling schwebte ins All, immer weiter weg von der Erde. Dass ich noch einen physischen Körper hatte, verblasste. Die Luft roch nach frischen Limonen. Ich tauchte in eine unbeschwerte Leichtigkeit ein, flog durch lichtvolle Felder, bis ich nach einer Weile spürte, dass meine Reise zum "Großen Ganzen" ging. Diesen Begriff hatte ich vorher noch nie gehört, es war vielmehr ein Urwissen, das sich in mir ausbreitete und mich nach oben leitete. 

Dann landete ich in einer anderen Dimension. Glücksgefühle durchströmten mich, ich spürte, das dies mein wahres Zuhause ist, ein Ort, den ich noch niemals verlassen hatte, in keiner Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft. Alles fühlte sich richtig an. Hier oben im Kosmos gab es keine Bewertung. Alles war vollkommen, zeitlos und grenzenlos. Dann sah ich die gesamte Schöpfung, alle Menschen, Wesen, Tiere, Bäume, Pflanzen,  Flüsse, Meere und die vielen Fische in den Gewässern. Jeder Teil der Schöpfung war individuell und einzigartig und gleichzeitig war alles Eins. Ich tauchte in unbekannte Bewusstseinsfelder ein, für die es hier auf der Erde keine Erklärung gibt und keine Worte. Und dann sah ich, dass die Schöpfung in einer runden Bühne angeordnet war.  Im Zentrum der Schöpfung leuchtete ein wunderbares helles grenzenloses immerwährendes Licht. Das Licht war voller Liebe, durchdringend und erlaubend. Es war ein großes  Einverstandensein mit der gesamten Existenz. Es gab nichts zu erreichen, nichts zu vermeiden. Spontane Impulse eröffneten neue Dimensionen, ohne dass ich das denken musste. Es fühlte sich großartig an bis in jeden Winkel meines Wesens. Alles war so, als wenn es noch nie anders gewesen wäre. 

Nach irdischem Maßstab war ich 15 Minuten im Jenseits

Die kosmische Zeitdimension hingegen ist grenzenlos. Gefühlsmäßig hatte ich die Vorstellung, monatelang im Großen Ganzen gewesen zu sein. Gerade als ich noch tiefer in die kosmische Allgegenwärtigkeit eintauchen wollte, spürte ich, wie mich ein Engel sanft an der Schulter berührte. Er fragte, ob ich in meinen irdischen Körper zurück kehren möchte. In diesem Moment wusste ich, dass ich meinen Freunden auf der Erde von meinen kosmischen Erfahrungen berichten wollte. Das war es mir wert, auf die Erde zurück zu kehren. Freudig schwebte ich wieder in meinen irdischen Körper zurück. Mit einem Ruck war ich wieder drin. Das war eine schicksalhafte Entscheidung, denn sonst wäre ich genau in diesem Moment tot umgefallen, plötzlicher Sekundentod. Das Zeitfenster zum Jenseits stand auf der irdischen Seite weit offen.  

Kosmos und Erde waren zwei unterschiedliche Dimensionen, die im realen Alltag nicht so ganz kompatibel zusammen passten. Doch vorerst kümmerte ich mich nicht darum. Ich staunte nur darüber, dass ich plötzlich wieder schlafen konnte, wenngleich nur in kurzen Etappen, mein Körper erholte sich, ich wurde wieder gesund. Mein Hautgewebe straffte sich wieder, die Knochen- und Muskelschmerzen hörten allmählich ganz auf. Die unverträglichen Medikamente habe ich einfach stillschweigend weggeworfen. Das war ein Zeichen meiner neuen Eigenmacht. Insgesamt war ich drei Monate in dieser Klinik, bis ich als geheilt entlassen wurde. Meine Seele war bereit, das größte Abenteuer meines bisherigen Lebens zu eröffnen. Ich freute mich riesig auf alles was ich nun im Leben erfahren würde.

Die Realität war allerdings nicht ganz einfach. Es dauerte viele Monate, bis es mir gelang, mein neues kosmisches Bewusstsein mit meiner irdischen Ego-Identität zu vereinen. Weil ich emotional auf einer himmlischen Welle schwebte, konnte ich meinen Beruf als Sekretärin nicht mehr ausüben. Die Menschen verstanden mich nicht, dachten, ich hätte schon morgens was im Tee. Hätte ich ihnen über meine Nahtoderfahrung berichtet, wäre alles noch chaotischer geworden. So beschloss ich kurzerhand, einfach nach Spanien auszuwandern. Dort wollte ich ein neues Leben beginnen, einfach sein, wie ich bin, ohne dass andere mich in vorgefertigte Schubladen steckten. Vor allem wollte ich Dinge tun und erleben, die nichts mehr mit meinem bisherigen Leben zu tun haben. "Es muss gigantisch sein, Erfahrungen zu machen, die ich mit meinem kühnsten Verstand nicht ausdenken kann", dachte ich. Angst war ein Fremdwort geworden, ich fühlte mich in jeder Hinsicht grenzenlos. So begann der Neustart meines Lebens mit Open End.

Spanien war Sonne, Meer, Freiheit und neue Freundschaften mit freiheitsdenkenden Menschen unterschiedlicher Nationen. In dieser Atmosphäre fiel es mir leichter, mein irdisches Selbst mit den kosmischen Qualitäten in Einklang zu bringen. Spanien war genau das Land, wo ich mich ohne Zwänge, Kritik und Schubladendenken entfalten konnte.

Hier begannen dann auch die kosmischen Schulungen. Ich bekam geistige Führung aus dem Himmel, die Naturwelten zeigten sich, natürlich sprach auch die eigene Weisheit aus meinem Herzen zu mir, schließlich hatte ich vom Kosmos viele Inspirationen mitgenommen. Zu meiner Überraschung kam ich sogar in eine neue Beziehung mit Mutter Erde. Sie erklärte mir, dass alle Wesen durch sie entstanden sind und unsere leiblichen Eltern nur ein Kanal waren für die Ankunft der Seele hier auf der Erde ist. Die Erde offenbarte mir viele schamanische Geheimnisse, ich durchlief spontane Einweihungen, in denen ich tiefer in die mystische Wirklichkeit unseres Lebens eintauchen durfte.  Von ihr erfuhr ich, dass ich eine Pirscherin sei, also ein Mensch, der seinen Weg erkennt, indem er von den Zeichen des Weges gefunden und auch geleitet wird. Durch meine tiefe Verbindung zur Erde erkannte ich meinen spirituellen Lebensweg, der mich zur Heilerin machte und zu einem Medium, das die zukünftigen Strömungen des Heilwerdens auf der Erde erspüren kann. Die Erde hat mir viele heilsame Methoden zur Transformation zum neuen Menschsein auf der Erde gezeigt, in dem auch meine kosmischen Erfahrungen ihren richtigen Platz auf der Erde gefunden haben.

Neulich wurde ich nachts aus der geistigen Welt geweckt. Der Engel, der mich damals bei meiner Nahtoderfahrung gefragt hatte, ob ich in meinen irdischen Körper zurück kehren wollte, stand direkt vor meinem Bett. Er sagte: "Denke an dein Versprechen, halte durch und gehe den ganzen Weg bis zum Ende weiter". Manchmal brauche ich solche mutmachenden Hinweise. Sie sind ein Zeichen, dass ich immer noch auf dem geplanten Weg bin, der inzwischen ein 40-jähriger mystischer Einweihungsweg geworden ist, auf dem ich die Ganzheit des Lebens erforsche. Wir sind in der Neuen Zeit angekommen. Es ist Zeit der Verwandlung zum Schmetterling. Ich bin so froh, dass ich diesen Transformations-Prozess mit begleiten darf.

Anfang Januar 2019 durfte ich in der Uni Heidelberg einen Vortrag über meine Nahtoderfahrung halten. Viele Menschen waren zu meinem ersten öffentlichen Coming gekommen. Ich denke, dass die Zeit gekommen ist, wo wir den Himmel mit der Erde wieder vereinen können, in uns selbst, in unseren Herzen, die zu grenzenloser Liebe fähig sind.

Uni Heidelberg

Ich danke dem Kosmos, der Erde und mir selbst, dass ich durch meine Nahtoderfahrung so viel inneren Reichtum in meinem Leben gefunden habe. Meine Nahtoderfahrung hatte einen tieferen Sinn gehabt, an dem auch du teilhaben kannst.   

Christiane Maria Völkner